Freitag, 27. Mai 2016

Spotify vs. Deezer - für mich gibt es einen neuen Gewinner

Ich bin seit Jahren überzeugter Deezer-Anwender. Nun habe ich mich zum Wechsel zu Spotify entschieden - keine einfache Entscheidung. Warum?

Deezer hat mich lange begleitet. Ich nutze meinen Musikdienst zu ca. 80% unterwegs mit dem Mobiltelefon und zu 20% als Plugin in meiner Squeezebox-Installation (ja, die läuft immer noch spitzenmäßig) zuhause.

Daher gelten für mich durchaus leicht abweichende Bedingungen als für viele andere - genau deswegen möchte ich meine Beweggründe aber ein wenig genauer darstellen.

Ausschlaggebend für die jüngste Prüfung Deezer vs. Spotify war der Umstand, dass Deezer im September letzten Jahres ein Family Account für französische Orange-Kunden eingeführt hat und ich seither neidisch dorthin schiele. Für vier Personen im Haushalt ein Premium-Account zu unterhalten ist lächerlich teuer und daher keine Option.

Deezer hat sich für mich in den letzten Jahren als die Firma mit dem großen Pflasterverbrauch herausgestellt. Erkennt man irgendwo ein Problem endlich mal als solches, wird ein Pflaster draufgeklebt. Da nichts länger hält als Provisorien wird danach nie mehr irgendwas dran gemacht. So steht jetzt auch seit einem halben Jahr im Raum, dass es in Deutschland ebenfalls ein Deezer Family Account geben soll. Spotify kündigt nicht nur an, sondern stellt es längst zur Verfügung.

Neben der offensichtlichen Frage nach der Funktionalität im von mir gewohnten Umfang stellt sich natürlich auch noch die, die schlussendlich viel schwerer wiegt: wie bekomme ich meine Bibliothek mit x-tausend Titeln, Playlists und Alben von Deezer nach Spotify. Doch der Reihe nach...

Funktionalität 1: Musikangebot

In alktuellen Vergleichen hat Deezer die Nase vor Spotify was die Anzahl der verfügbaren Titel betrifft. Der Unterschied ist nicht groß, aber vorhanden. Daher 1:0 für Deezer.

Funktionalität 2: Mobiltelefon

"Meine" Musik-App muss nur im Notfall streamen - schon gar nicht über Datenfunk. Aber man ist durchaus mal irgendwo im WLAN und möchte einfach live was anderes als die eigene Auswahl spielen können. Beide Apps können natürlich streamen. Bei beiden lässt sich die gewünschte Zielqualität für Mobilfunk und WLAN separat einstellen. Also 2:1 für Deezer.

Ich will einen SEHR großen Teil meiner Bibliothek offline auf die Speicherkarte im Handy packen (daher habe ich eine 128GB-Karte). Können auch beide Dienste. Allerdings patzt Deezer katastrophal beim Download: er dauert ewig und bricht immer wieder ab. Bei Spotify wählt man abends einen nennenswerte fünfstellige Zahl Songs und legt das Handy auf den Nachttisch - morgens ist das Thema erledigt. Bei Deezer erfordert die gleiche Aktion mindestens 20 bis 30 manuelle Terminierungen und Neustarts der App. Definitiv 2:2 Gleichstand.

Die Deezer App wurde in den letzten Monaten gründlich überarbeitet und kann mittlerweile durchaus als brauchbar bezeichnet werden. Allerdings gibt es immer noch nervtötend platzierte Buttons, die nicht wirklich Spaß machen. Richtig doof ist die mitunter heftige Ladezeit bis überhaupt etwas passiert. Hier wirkt die Spotify-App rund, durchdacht und glatt - sie macht einfach Spaß. 3:2 für Spotify.

Funktionalität 3: PC

Am PC nutze ich bei Musikdiensten eigentlich nur den großen Bildschirm, wenn ich mal wieder nach neuen Titeln oder Alben stöbern möchte. Abgespielt wird hier nur im Notfall (ich habe mein Handy ja immer dabei).

So praktisch Webinterfaces sein mögen: Ich hasse den Mist für Dinge, die dauerhaft offenstehen müssen. Spotify bietet eine vollwertige Windows-Applikation (auch wenn ein Großteil davon nur optimierte Webseiten anzeigt), die sich in den Systemtray verdünnisiert, wenn sie nicht gebraucht wird. Hier findet man sich gut zurecht und die Reaktionszeiten sind weit besser als bei Deezer im Webbrowser. Offline-Speichern von Musik auf dem PC ist so auch außerhalb des Browser-Caches möglich und funktioniert perfekt. 4:2 für Spotify.

Funktionalität 4: die große weite Welt

Mein Logitech Media Server (ehemals Squeezebox-Server) unterstützt Spotify via Plugin. Das klappt mit Deezer auch reibungslos: 5:3 für Spotify.

Mein Sony-Verstärker und mein Amazon-Fire TV konnten beide nichts mit Deezer anfangen, mit Spotify funktionieren sie perfekt. Spannend hierbei ist das man sich bei Spotify die Funktion "Spotify Connect" einfallen hat lassen: Alle Spotify-fähigen Geräte im Netz werden angezeigt und können von den Interface-Apps (also vom Mobiltelefon oder vom PC) ferngesteuert werden. Man wählt in der App einfach das passende Zielgerät als "Ausgabegerät" und bedient drauf los. Das macht die ganze Umgebung extrem flexibel und beantwortet die Frage nach der sinnvollen Bedienung von Spotify an einem Hifi-Verstärker. 6:3 für Spotify.

Funktionalität 4: das Family Account
Das Spotify Family Account ist eine einfache Sache: für 14,99€ im Monat erhält man insgesamt sechs Premium Accounts. Diese können neu angelegt werden oder man bindet bereits existierende Free- oder Premium Accounts ein. Für ein in das Family Account eingebundenes Premium Account entfällt natürlich dann die bisherige Zahlung.

Spotify betont, dass die sechs Konten völlig unabhängige Premium Konten sind - d.h. jeder Teilnehmer hat eigene Playlists, kann unabhängig von den anderen Abspielen und abgesehen von den üblichen Freigabemöglichkeiten kann keines der Konten auf eines der anderen zugreifen. Einzig die Zahlung müssen die Teilnehmer untereinander ausmachen - es gibt eine Abbuchung über den vollen Betrag von einem Konto. Rechtlich sicherlich nicht unspannend ist der Umstand, dass sich weder in den Vertragsbedingungen noch in den Nutzungsbedingungen irgendeine Definition für den Begriff "Familie" finden lässt. Lediglich der Name "Spotify Family Plan" suggeriert implizit, dass der Tarif nur innerhalb von der Familie genutzt werden darf - sicherlich keine ausreichende Definition...

Für mich nicht relevant - ich brauche wie gesagt vier Konten - damit fahre ich natürlich um Welten günstiger als bei Einzelzahlung. 7:3 für Spotify.

Endstand

Damit steht mein Endstand fest: Spotify ist um Längen besser für meine Anforderungen.

Wie geht es weiter?

Bleibt die letzte, aber auch größte Frage: wie verfrachte ich meine Titel, Playlists und Alben von Deezer nach Spotify?

Ich habe mir verschiedene Dienst angeschaut, die zwischen den Diensten konvertieren können. Mir hat am Besten Soundiiz gefallen. Der Dienst liest die Playlists aus Deezer und verfrachtet sie direkt nach Spotify. Die Alben lassen sich leider nicht direkt transferieren - andererseits ist dies nicht wirklich schlimm, da man üblicherweise nicht so viele Alben in seinen Listen hat, dass man sie nicht in überschaubarer Zeit von Hand neu eintragen kann. Die gesamte Migration hat mich ca. 2 Stunden Zeit gekostet.